Zitat aus „Schwimmerbecken“ von Ulrike Anna Bleier

Sofasophia hat die „Zitatgeschichten“ erfunden. Eine Zitat aus einem Buch oder Artikel und darunter dann das, war einer*m spontan dazu einfällt.

Dies ist meins, gefärbt davon, dass ich kürzlich mit jemandem darüber sprach, wie es sich anfühlt oder angefühlt hat zum ersten Mal an einen Ort zu kommen, an dem nur Gebärdensprachen genutzt werden:

Es gibt Dinge, die zum Abgewöhnen sind. Eines davon ist das vorsichtige Gehen, ohne Schuhe, bloß auf Socken, damit man mich bloß nicht hört, mir keiner sagt, dass ich trampele. All so was erzählen sie dir plötzlich.

An dem Ort, an den ich gehe zählt das nicht. Alle sind laut, weil sich niemand hört. Und ist das so oder bin ich nur am Anfang?

Anfang, ist eine Handbewegung, aber nicht aus dem Handgelenk geschüttelt. So einfach ist das nicht, aber ein Wort, dass zu meinem neuen Ort gehört kann ich nun schon.

Es heißt, es gäbe einen Tisch nur für uns allein. Weil wir das wollen würden. Ich kenne nur, dass wir das sollen würden.

Das soll jemand verstehen.

Ich erinnere mich, dass diese Tasche einmal schwerer war. Drin war ein altes blaues Buch, riesig und schwer. Schwarz-weiße Fotos, die erzählen wie man zu reden hat.

Jetzt gibt ein Universum auf meinem Bildschirm. Videos und Wörter. V und W. Für das eine braucht man mehr Finger.

Wer die Hände voll hat, dem kann man den Mund nicht verbieten. Aber wer den Mund voll hat, hat die Hände frei.

Mein roter Schuh hat eine klingende Sohle. Es gibt Dinge die zum Abgewöhnen sind und eines davon ist das leise Gehen.